Berichte

2017 Erfahrungen von einem, der auszog, Deutschland mit dem Rad zu erkunden:

Nachdem wir ja schon öfter in Gruppen – auch wochenweise – verreist waren, hat mich immer mal wieder interessiert, wie anders wohl eine längere Alleinfahrt sein würde, wenn man nicht so oft wegen Pinkelstopps, Cappuccinobedürftigkeiten oder Eisspezialitäten (Martin :-) ) würde anhalten und warten müssen; das ist kein Vorwurf, da mir solche u.ä. Wünsche ja auch nicht fremd sind.

Ich wollte Freunde besuchen, mir aber auch mal einen Überblick über Deutschland im Schnelldurchgang aus der Nähe verschaffen.

Während des Fahrens ging mir auf, dass das, was ich tat, wohl dem entspricht, wenn man im Alter von 90 Jahren mit einem Oldtimercabrio durch die Landschaft cruist.

Ebenfalls interessierten mich die Unterschiede in der Radinfrastruktur, und wie locker man in diesen unseren modernen Zeiten vom Handy den Weg gewiesen bekommt, und ob sich dieser Weg vor Ort als der für mich wohl angenehmste und beste herausstellen würde.

Wie weit würde ich täglich fahren, wie anstrengend würde es für mich mit einem flotten Reiseliegerad werden?

Insgesamt legte ich in 11 Reisetagen (reine Fahrtage) von FR über Straßburg, Frankfurt, Dortmund, Hameln, Magdeburg, Berlin, Bitterfeld-Wolfen, Weimar, Schweinfurt bis Crailsheim 1799km zurück.

Das bedeutet, dass ich täglich im Schnitt etwa 165km zurückgelegt habe, reine tägliche Fahrtzeit etwa 7Std. 30Minuten bei einem Schnitt von etwa 22km/Std.

Obwohl ich im Regelfall “anstrengungslos” gefahren bin (abgesehn von den teils heftigen Steigungen im Taunus, Westerwald und Bergischen Land), war es gut, nach 2 Tagen Fahrtzeit einen oder mehrere Besuchstage einzuschieben.

Für die Nichtliegeradfahrerleser: Für Aufrechtfahrer wäre das Programm m.E. recht sportlich…

Dass der Schnitt im Vergleich zu meinem gefühlten Schnitt (in der Ebene bin ich nie unter 25, eher an die 30km/Std. gefahren) so langsam ist, muß wohl letztlich an der Radinfrastruktur und an Navigierstopps liegen. Denn wenn es an steilen Stellen mit 6 km/Std. hoch ging, ging es entsprechend rasant wieder runter.

Die Radweg-Situation in Deutschland ist leider desaströs; da sind wir im Süden noch vergleichsweise sehr gut bedient. Entweder gibt es ständig 4cm hohe Aufkantungen, die auch eine Luftfederung nicht wegbügeln kann, Rumpelpisten oder ständige Straßenquerungen, die gefährlich sind. Für mich heißt die Konsequenz:

Am angenehmsten lässt es sich bei einer Alleinfahrt auf der Straße fahren. Nur dann ist guter Belag und gute Beschilderung garantiert. Ich hab die Autos im Rückspiegel, fahr in der Mitte der Fahrbahn, nehm also wahr, wann ein Auto kommt und wie es sich verhält, und während des Überholvorgangs fahr ich an den rechten Rand der Fahrbahn. So ist ein großer Abstand sichergestellt. Sollte das Verkehrsaufkommen zu groß werden, was ja nur an großen Bundesstraßen der Fall sein kann, weich ich auf den straßenbegleitenden Radweg aus.

Erstellt hatte ich die Routen daheim am Rechner mit openrouteservice.org, da sich hier nicht nur Fahrrad, sondern auch Rennrad für die Routenerstellung auswählen lässt. Hätte ich mich früher damit beschäftigt, hätte ich auch die Option “Hügel vermeiden” gekannt, und meine Fahrt durch die Berge wäre etwas gemässigter gewesen. So fuhr ich notgedrungenermaßen – wie sich im nachhinein rausstellte – eine Strecke, die sich ein ambitionierter Rennradler mit seinem 7kg-Rad möglicherweise für seine Kurzstreckenherausforderungen wünscht….Hatte ich schon erwähnt, dass ich Zelt etc. dabeihatte…:-)

Zur desolaten Radinfrastruktur gehört auch die Fahrradmitnahme im Zug. Eigentlich wollte ich von Weimar den Zug nehmen. Ich hätte Tage warten müssen. Dann dachte ich, dass ich mal über den Thüringerwald rolle, und es vielleicht ab Würzburg versuche. Na ja, schließlich wurde ich ab Crailsheim fündig….

Jetzt noch zum Schluß einige Erlebnisse bzw. Gedanken:

– Radwege wie der über 50km lange von Marckolsheim (nähe Kaiserstuhl) nach Straßburg – nahezu kreuzungsfrei, gut asphaltiert und 4 m breit – gibt es sonst praktisch nicht

– Ich war erstaunt über die teils sehr steilen Anstiege (immer mal wieder 15%, natürlich oft “nur” 1 oder 2 km lang) und rasanten Abfahrten im Taunus, Westerwald und Bergischen Land, obwohl diese Mittelgebirge ja gar nicht so hoch sind

– Für den Campingplatz Boele`s Place im Westerwald wäre es gut, der holländischen Sprache mächtig zu sein: Alle Gäste und die Betreiber kommen daher…

– Die Gegend in der Nähe des Harz hat mir gut gefallen

– Man muß nicht unbedingt in Magdeburg gewesen sein….

– Landschaftlich fand ich manche Gegenden im Osten schön, beeindruckende Alleen (östlich von Möckern ein geradezu phantastischer Mischwald mit riesigen Eichen)

– Ansonsten im Osten (v.a. in Brandenburg, aber auch in Sachsen-Anhalt und Teilen Thüringens) Tristesse, kein Mensch nirgends, alles verriegelt, kein Grün oder Busch vor dem Haus ,wie nach einem Atomkrieg; Ausnahmen sind Weimar und dank des Cafes PUSTEBLUME auch Treuenbrietzen; ich sprach mit der Betreiberin, sie meinte auch, ja, wie nach einem Atomkrieg).

– Auch Berlin bekommt es leider nicht hin, Radwege zu bauen. Ich war echt schockiert. Der einzige gute “Radweg”, den ich in einigenTagen Berlin befahren durfte, war eine Busspur auf der 6-spurigen Frankfurter Allee….

– In Bitterfeld-Wolfen dann ein Campingplatz an einem schönen See (ehemals Tagebergbau): Panzerhalle, Containertoiletten, alles schrecklich. Und dann noch ein Schuß Sozialismus: Die Rezeption schloss um 17:00, ich kam kurz danach an, und öffnete am kommende Tag um 10:00….

– Beeindruckend schön war die gar nicht schwere Überfahrt über den Thüringerwald oberhalb Stützerbach

– Mit einer Sonnenblume holte mich Petra in Freiburg vom Bahnhof ab. Jetzt kann der Herbst langsam (ich sagte langsam!!) kommen….

Stephan

 

Südfrankreich-Tour 2016 (Claus, Stephan, Dieter)

Für diese Tour hatte ich mir im Frühjahr extra eine gebrauchte Speedmaschine zugelegt.

Anfahrt per PKW bis zum Lac du Salagou, dort nach später Ankunft eine erste Übernachtung.

Das Verstauen der drei Liegeräder auf dem Fahrradgepäckträger hatte beim Start doch etwas Zeit gekostet, hat aber am Ende sehr gut funktioniert.

Am nächsten Vormittag wurde das Auto auf einem Grundstück in der Nähe stehengelassen und wir brachen zu unserer 2-wöchigen Rundtour durch Südfrankreich auf.

Erstes Ziel war Carcassonne. Dort trafen wir nach einer entspannten Fahrt durch den sonnigen Süden und streckenweise entlang des Canal du Midi noch rechtzeitig für einen ausgiebigen Besuch der Festung ein.
Der nächste Tag brachte uns weiter nordwestlich durch hügeliges Gelände über Castres bis nach Albi. Unterwegs ein Stop im kleinen mittelalterlichen Bergdörfchen Lautrec (ja, wie der Maler !), wo wir in einem schönen schattigen Innenhof einkehren konnten.
Albi empfing uns mit einem Luxus-Campingplatz, wo wir die müden Beine in einem Pool entspannen und anschließend einen schönen Spaziergang in die abendliche Stadt machen konnten.

Dort gab es diverse Open-Air-Musik, außerdem bestaunten wir die riesige Ziegelkirche und ließen den Tag bei einem Glas Wein im Schatten des Kirchenschiffs ausklingen.

Der folgende Tag führte uns von Westen her in die Tarnschlucht, der wir in östlicher Richtung bis zum Abend folgten. Dabei fuhren wir bei Millau unter der riesigen Autobahnbrücke durch, über die wir noch vor Kurzem mit dem Auto gefahren waren. Übernachtung auf einer kleinen Camping wiese, die von einer alten Dame betreut wurde. Dieter hatten wir unterwegs verloren, waren aber sicher, dass er den Weg mit seinem navi finden würde. Wir liefen zum Abendessen ins nächste Dorf, wo Dieter plötzlich aus dem Dunkel heraus ins Licht fuhr – in Badehose !

Die Tour führte ins dann im Weiteren auf die Corniche des Cevennes, eine Panoramastraße auf ca. 1.000 m Höhe, der wir, begleitet von herrlichen Aussichten in die umgebenden Cevennen, nach Süden folgten. Nächstes Ziel war die Ardecheschlucht.

Auf dem kleinen Camping war bei unserer Ankunft mittags weit und breit niemand zu sehen, also schlugen wir unser Zelt auf und sprangen in den Pool. Kaum waren wir im Wasser, kam das Betreiberpaar aus dem benachbarten Wohnhaus angelaufen und echauffierte sich derart, dass wir tatsächlich das kühle Nass verlassen mussten. Ein wirklich schräger Auftritt !

Am nächsten Morgen haben wir eine Paddeltour durch die Ardecheschlucht gemacht, sehr schön.

Nach dem Bustransfer zum Ausgangpunkt haben wir unsere Räder gesattelt und haben die Schlucht nochmal auf der Straße erkundet. Beim ersten längeren Anstieg war meine Übersetzung mit Gepäck doch etwas zu lang, aber am Ende hat sich die Mühe für die tollen Aussichtpunkte oberhalb der Schlucht gelohnt.

Nach einer weiteren Übernachtung führte uns unsere Route nach Arles, von dort entlang der Rhone bis an die Küste nach Le Grau de Roi.

Zwischendurch gab es diverse Zwischenstationen in tollen Orten, eine zusätzlichen Tagestour 140 km ohne Gepäck zur Erhöhung der Kilometerzahl und Ergänzung der Col-Liste :D, einen Besuch in Aigues-Mortes, einen Strandtag mit Test von Dieters Kite usw…..

Am Ende standen ca. 1135 km zu Buche und ungezählte Höhenmeter (Dieter hat die Tour getrackt). Habe viele Bilder gemacht, die allerdings die zahlreichen Eindrücke während der Fahrt wie immer nicht ansatzweise wiedergeben.

Stephan und ich waren mit der Speedmaschine doch deutlich schneller unterwegs als Dieter, und so haben sich unsere Wege in der zweiten Woche für ein paar Tage getrennt, in denen Stephan und ich die Ardeche mit Kanu und Rad erkundet sowie Stephans Schwester in St.-Martin d`Ardeche getroffen haben. Am Ende haben wir uns mit Dieter wieder für zwei Übernachtungen am Meer getroffen, um nochmal ins Wasser zu hüpfen……

Es war wieder eine tolle Tour, ich hätte nicht gedacht, dass man Steigungen von teilweise 10 % mit dem ganzen Geraffel hochkommt. Mein neues kleineres Zelt hat sich bewährt, und für die echt harten Rampen fehlten an der Speedmaschine hinten ein paar Zähne, da habe ich viel Kraft an Stellen gelassen, wo Stephan noch “gemütlich” kurbeln konnte.

Ansonsten war die Speedmschine ein tolles Reiserad, die zusätzliche Sattelnase am Sitz vorne ist klasse, der L-Sitz an sich eher etwas zu lang für mich (Abstützung der oberen Wirbelsäule kommt zu spät, da hätte ich oft eine Kopfstütze am Berg brauchen können). Werde die Nase am M-Sitz testen. Dann habe ich noch 1-2 Schrauben am Schutzblech hinten verloren, wieder ersetzt, dann riss eine Strebe ab und das Schutzblech riss ein und ich habe das ganze Zeug abmontiert und in Frankreich zurückgelassen. Der Lohn waren noch ein paar Tage ruhige Fahrt ohne Geklapper (Schutzblech von Planet Bike; den Lebenslauf dieses Schutzbleches hatte Martin vorhergesagt 😉 ).

Gekocht haben wir nur 2-3 mal, da hätte ich den Kocher auch daheim lassen können. Die anderen hatten keinen Kocher dabei. Und wie immer hatte ich zu viele Anziehsachen mit. Da ist noch Optimierungsbedarf.

Let it roll !

Claus

 

Juni 2016, erste größere Velomobil-Tour mit dem Strada:
Auf nach Basel, via Bremgarten Richtung Mulhouse durch den Hardt-Wald, dann am Kanal bis nach Hüningen und über die 3-Länder-Brücke nach Weil.

Von dort über Efringen-Kirchen, Bad Bellingen etc. entlang der B31 wieder retour.

Auf der Hinfahrt war südlich von Kembs auf den Schotterwegen wegen der vielen Ausflügler teilweise kein zügiges Vorankommen möglich. Auch ist man dann einfach zu schnell mit
dem VM für diese Wege.

So bei km 80 habe ich etwas nördlich von Weil eine kleine Mittagspause eingelegt.

Danach geht ja der Radweg immer mal wieder mit ein paar kurzen Steigungen in die Dörfer hoch, das kostet in der Summe schon Kraft. So bei km 120 hatte ich dann doch Schmerzen rund um die Knie, und die restlichen 15 km war dann definitiv die Kraft raus und es war dann eher ein Durchhalten. Aber so ähnlich hatte ich das mit dem Liegerad auch schon erfahren.

Vielleicht muss ich doch die Tretlagerposition nochmal feinjustieren…. war trotzdem immerhin ein
schnitt von ca. 32 km/h.

Nicht nur mit dem Velomobil nerven die diversen Kreisverkehre; teilweise bin ich Straße
gefahren, da war´s ok, aber auf dem Radweg ist es das Letzte !

Dann gab es auch wieder ein paar Drängelgitter, da fehlt mir jedes Verständnis.

Ich bin zwar hauchfein überall durchgekommen, aber man kann halt nirgends einfach mal fahren. Die Rampe auf die 3-Länder-Brücke hoch habe ich mit kurzem Zurücksetzen an der Kehre sogar ohne Aussteigen geschafft. Um dauerhaft auf der Straße zu fahren, ist die B31 dann auch die falsche Route. Ich fühle mich da unwohl mit dem VM, vor allem, wenn langsam die Kraft nachlässt.

Mit dem VM kann man sich auch nicht einfach mal schmal machen oder auf den Seitenstreifen
ausweichen….

Trotz allem hat diese erste längere Tour mit dem VM riesig Spaß gemacht !

Claus

 

Provence-Tour 2015, 2.-14. August

Stephan – Speedmachine – schon Donnerstag ab Freiburg Richtung Genf gestartet.

Martin – Flux – am Samstag zur Übernachtung nach Freiburg angereist

Claus – Streetmachine – mit neuem Schlafsack und im Kampf mit den Karten, und deshalb abends vor der Fahrt noch ein Bier trinken mit Martin im Süden.

Und als Quereinsteiger in der zweiten Woche: Dieter – mit einem hohen und diesmal bergtauglichen Nasca

Die erste Routenplanung lag so bei 1.100 km; im Hinblick auf die diversen Höhenmeter wollten wir das aber ggf. noch etwas einkürzen.

So, Tag 1 – von Freiburg mit dem Zug nach Genf; mit dem Rad zum Lac d´Annecy

Ein schnelles Frühstück, dann mit den Rädern zum Bahnhof, Abfahrt ca. 9:00; in Basel 2 x umsteigen in knapp 6-7 Minuten, das ist sportlich, aber es klappt.

Auf der Fahrt nach Genf müssen wir noch ein drittes Mal umsteigen, auch hier ist wieder Gerenne angesagt, aber auch diesmal glückt der Anschluss.

Etwas nach 13:00 Uhr treffen wir bei herrlichem Wetter in Genf ein und treffen Stefan vor dem Bahnhof. Er war ja von Freiburg nach Genf gefahren, erste Etappe über 200 km, auf der Flucht vor der Regenwolke. Die Überlastung der Knie rächt sich heute an den ersten Steigungen, er muss es langsam angehen lassen. Auch Martin ist wegen Medikamenten-nebenwirkungen noch nicht richtig in Form.

Da wir heute noch etwas vorankommen wollen, durchqueren wir gleich südostlich die Stadt und verlassen die Schweiz bei Veyrier, wo wir nach Norden Richtung Annemasse abbiegen und den langgezogenen Bergkamm umrunden, um diesen dann auf der Ostseite langsam, aber stetig ansteigend auf der D15 erklimmen. Die Sonne lässt bereits den Schweiß in Strömen fließen, dafür gibt es hier kaum Verkehr. Es folgt eine schöne Höhenstraße (auf der man auch mit Gepäck Rennradler jagen kann ;-)) , die dann in eine langen Abfahrt Richtung Cruseilles mündet. Kurz vor dem Ort machen wir Rast an einem schönen kleinen See.

Nach Cruseilles geht es südwärts Richtung Annecy.

In Annecy angekommen, suchen wir den Weg durch die Stadt zum See. An der belebten Uferpromenade ist ganz schön was los, Spaziergänger und Radfahrer ohne Ende, Frankreich hat Ferien. Es ist aber auch wirklich schön hier. Entlang dem Uferradweg kämpfen wir uns durch die Massen und umrunden den See auf der östlichen Seite. In Menthon-Saint-Bernard finden wir abseits der Durchgangsstrasse oberhalb des Sees einen schönen kleinen Camping, und 200 m höher wacht das Chateau Menthon über den See.

Wie bestellt, gibt es an diesem Abend sogar noch einen mobilen Pizzabäcker auf dem Platz, der auch noch ein sehr leckeres Bier für uns bereithält.

Ein schöner erster Tag; die Landschaft begeistert mich und ich freue mich auf die nächsten Tage.

Mo, Tag 2 – Vom Lac d´Annecy nach Grenoble

Vom Camping weg geht es erstmal auf einem guten separaten Radweg neben der Straße bergauf (wer hätte das gedacht !), um dann nach einer kurzen rasanten Abfahrt direkt ans Seeufer zu gelangen, an dem wir bis zum Ende des Sees bleiben und diesen dann auf einer gut asphaltierten Radroute Richtung Faverges verlassen. Nun folgen wir dem leicht abfallenden Tal, durchqueren Faverges, und folgen einem Bahntrassen-Radweg über Ugine. Dieser führt uns bei Albertville ins Isere-Tal, der wir nun weiter flussabwärts folgen. In der größten Mittagshitze suchen wir den Schatten in einem Restaurant und beglücken uns mit einem Menu Formule und einem Panache.

Nachdem wir ausreichend abgekühlt sind, geht es weiter entlang der Isere; hinter Montmelian bleiben wir auf der westlichen Seite des Tales und finden abseits der Route National einige Höhenmeter hoch nach Saint-Vincent-de Mercuze einen geschlossenen Camping Municipal, der uns aber beste Dienste leistet: wir sind alleine, und Wasser gibt es auch auf einem WC, Dusche, Waschbecken. Die Verpflegung von unterwegs reicht für einen kleines Abendessen. Was braucht der Mensch mehr ? Eine Bar ! Also erkunden wir das Strraßendorf, zunächst mit wenig Erfolg. Am Ende der Runde finden wir gleich gegenüber vom Camping ein Hotel, sah erst geschlossen aus, doch dann empfängt uns der Maitre freundliche und serviert drei Pressions, die augenblicklich in unseren durstigen Kehlen verdampfen und denen wir gleich noch ein zweite Runde folgen lassen.

Eine tolle Tagesstrecke – eigentlich ging es den ganzen Tag leicht bergab, so dass wir flott vorankamen und dabei die Berge auf beiden Seiten an uns vorüberziehen lassen konnten.

Di, Tag 3 – durch Grenoble durch und dann ab in die Berge

Nach dem Aufstehen geht es erstmal einige Kilometer zum nächsten Bäcker. Der Kaffee ist leider nicht so einfach zu finden. Zum Glück biegt irgendwann vor Grenoble der Autoverkehr ab, und wir rollen durch diverse Vororte nach Grenoble ein. Doch dann kommen erste Orientierungsschwierigkeiten. Irgendwann sind wir dann an so einer Brücke, Karten studiert, genau, hier die grosse Straße mit der Straßenbahn, und dann da am Flußufer, eigentlich ganz einfach, bis wir total die Orientierung verlieren. Ein älterer Herr erzählt uns anscheinend Märchen, wir können kaum glauben, wo er uns auf der Karte lokalisiert: statt nach Süden entlang des Drac bewegen wir uns nach Norden entlang der Isere ! Aber er hat recht, und nach einer weiteren Stadtdurchfahrt finden wir auch wieder ein paar Hinweisschilder, kaufen Verpflegung ein und verlassen die Stadt Richtung Südosten auf der N85, die wir nach einigen Kilometern verlassen und südlich auf die D529 einbiegen, die uns noch ein paar Gnadenkilometer auf den Talboden rollen lässt. Dann kommt der Kreisel, und jetzt geht’s los: mit einer schönen Rampe, die uns so richtig mal das Gepäck spüren lässt.

Mit wenig Verkehr, aber durchaus anstrengender Steigung kurbeln wir langsam den östlichen Hang das Drac-Tals hoch. Erstmals zieht sich unser kleines Fahrerfeld auseinander. An den Dorfbrunnen wird Wasser nachgetankt und der Kopf gekühlt. Es ist heiß !

Am Ende kommen wir auf gut 5-600 Metern Höhe, unten liegt knallig blau eine Stausee des Drac, dann geht es ostwärts vom Drac weg wieder bergab in eine kleines Flusstal, um dann erneut zu steigen. Im nächsten Dorf wartet Stefan vor einer geschlossenen bar, ich fahre noch 200 Meter weiter und entdecke einen kleinen Tabac mit kalten Getränken. Stefan hole ich per Telefon nach und wir warten auf Martin, der sich leider nicht meldet. Der Hunger nagt, und ich werfe gerade neben der Straße meine Kocher an, um ein scharfes Thai-Nudelsüppchen zu bereiten, da kommt Martin um die nächste Ecke gekurbelt. Pünktlich zum Essen. Er war unterwegs etwas verhungert, der Arme…..

Nach dieser Stärkung geht es weiter nach La Mure; rundherum bietet sich ein spektakuläres Bergpanorama. Hinter La Mure folgen wir der N85, der Route Napoleon, auf der wir erstmal wieder etliche der erkämpften Höhenmeter bei einer Abfahrt verlieren.

Wenige Minuten nach La Mure biegen wir links auf die D526 und es geht weiter bergab, bis wir auf einer spektakulären Bogenbrücke wieder den dort als kleines Rinnsal in der Tiefe fließenden Drac überqueren. Ein wildes Tal; an dieser Brücke soll der erste Bungee-Sprung Europas gemacht worden sein. Auf der anderen Talseite geht es nun wieder ordentlich bergauf, aber die Landschaft entschädigt für die Anstrengung. Wir gelangen auf eine herrliche Hochebene mit großen Feldern und einem tollen Rundum-Panorama mit hohen Gipfeln in der Ferne, die wir glücklicherweise nicht erklimmen müssen. Wir klappern ein paar der Dörfer ab, finden aber weder Bar noch Camping. Wir haben Hunger und es wird auch bald dunkel. Ein Einheimischer schickt uns nach Mens, ist nicht weit, nein, kein Berg mehr, die Karte spricht von lediglich 50 Höhenmetern, es werden dann doch sicher 150, denn die Höhenangabe der Karte ist falsch! Das beschert uns eine weitere Abfahrt, und Mens ist ein französisches Dorf par excellence. Wir pflanzen uns an einen kleinen Tisch im örtlichen Resto, schauen dem abendlichen Treiben zu und verdrücken gierig drei herrliche Pizzen und ein paar Biere. Der gegenüberliegenden Pension erteilen wir eine Absage, Camping gibt’s keine, also verlassen wir im Dunkeln die Stadt und finden nach wenigen Minuten im Licht unserer Scheinwerfer ein perfektes Feld, wo wir geschützt von Buschwerk und ein paar Strohballen unser Lager aufschlagen – perfekt!

Mi, Tag 4 – heute müssen wir über den Paß ! Ziel: Sisteron

Ein früher Morgen auf dem Feld – schnell ist die Katzenwäsche erledigt, die Zelte abgebaut und zurück geht es nach Mens, erstmal frühstücken und zwei Tassen Cafe au lait genießen in der besten Bar am Platz: das Dorf erwacht zum Leben, schnell ist an der kleinen Straßengabelung direkt vor unserem Tisch ein einziges Verkehrsgewusel aus alten Kleinwagen, Radfahrern, LKW-Treibern und Bauern in riesigen Traktoren, dazwischen Frauen mit Einkaufstaschen, alle kennen sich, parken chaotisch, hier und da schnell eine Besorgung, ein schneller Cafe in der Bar, ein Schwätzchen – es fällt schwer, uns von dem Schauspiel zu lösen. Dann brechen wir doch auf, aber unsere eigentliche Planung, den südlich gelegenen, etwas über 1.400 Meter hohen Col du Festre raufzufahren und danach noch einen weiteren über 1.000 m, geben wir wegen der Hitze auf und fahren stattdessen über die Hochebene nach Lalley, wo wir auf die westlich gelegene E712 auffahren. Hier ist zwar einiger Verkehr, aber der Seitenstreifen ist breit genug, damit wir nicht gefährdet sind, die Steigung ist gut fahrbar und so gelangen wir bereits nach wenigen Kilometern und nur ca. 300 Höhenmetern auf den Col de la Croix Haute, der nur etwas über 1.100 m hoch liegt. Am Col nehmen wir eine kurze Erfrischung zu uns, und dann beginnt die lange Abfahrt Richtung Süden; später erreichen wir das weit geöffnete Tal der Durance, und erreichen am Nachmittag auf der E712 nach einem langen Ritt ohne Zwischenfälle Sisteron. Die Vegetation hat sich schon deutlich geändert, und die Temperaturen sind auch nochmals ordentlich hochgegangen. In Sisteron finden wir auf der anderen Seite der Durance etwas vor der Stadt einen schönen Campingplatz, der uns mit einem Pool verwohnt.

Wir beschließen, einen Pausentag zu machen, und radeln abends ohne Gepäck in die Stadt, um etwas zu essen und das obligatorische Bier zu uns zu nehmen.

Do, Tag 5 – in Sisteron

Ausschlafen, frühstücken, in die Stadt fahren, die Gassen erkunden, trinken, einkaufen, am späten Nachmittag kochen wir auf dem Camping. Die Hitze steht unbeweglich über der Szenerie, und wir genießen noch mal den Pool; abends soll noch etwas Live-Musik in der Stadt sein, Martin und ich fahren nochmal hin und kommen genau in der Pause zwischen zwei Bands an. Wir bummeln nochmal durch die abendliche Stadt, trinken noch etwas, dann geht’s doch wieder ab ins Bett.

Fr., Tag 6 – endlich in der Provence

Wir brechen früh auf, doch die Hitze ist uns auf den Fersen. Es geht noch wenige Kilometer nach Süden, dann biegen wir nach Westen ab und klettern langsam auf die Hochebene der Provence. Die Vegetation ändert sich nochmals merklich, es wird noch trockener, schlanke Pinien mischen sich mit Kiefern, und dazwischen tauchen bald die ersten Lavendelfelder auf, die zu unserem Bedauern schon abgeerntet sind. Ab und zu fährt ein großer Traktor mit einem großen Anhänger voll Lavendel an uns vorbei, und die ohnehin schon gut riechende Landschaft wird für einige Minuten mit massivem Lavendelduft aufgeladen. Am Nachmittag erreichen wir Sault und quartieren uns vor der Stadt auf dem Camping Municipal im Pinienwald ein; das nebenstehende Schwimmbad wird sofort einem intensiven Test unterzogen – herrlich ! Dann in der Nähe einkaufen, kochen, und abends geht´s ins Städtchen, dort ist gerade ein kleines Festchen und wir beziehen Stellung in der angesagten Eckkneipe am Platz. Das Kleinstadtleben entfaltet sich vor unseren Augen, und das Bier schmeckt genau hier am Besten, der Pastis auch.

Sa., Tag 7 – rund um den Mont Ventoux, aber nicht rauf

Auch an diesem Tag brechen wir wegen der Hitze wieder früh auf. Von Sault geht es bergab bis zum Eingang in die Gorges de la Nesque, wo es erstmal wieder eine Weile bergauf geht und von der Nesque eigentlich nichts zu sehen ist. Der Anstieg führt uns dann aber zu einem spektakulären Aussichtspunkt, und unter uns tut sich ein veritabler Canyon auf, in dem sich tief unten die Nesque schlängelt. Von diesem höchsten Punkt windet sich die schmale Straße für die nächsten 15-20 km eng an die Talwand geschmiegt um jeden Felsvorsprung und mehrere Male auch hindurch; immer wieder liegen kleinere Felsbrocken auf dem Asphalt. Wir halten mehrmals an, um die Aussicht zu genießen und Fotos zu machen, und während wir entspannt die ewig lange Abfahrt genießen, kommen uns etliche Rennradler und auch ein paar E-Biker entgegen.

Am Ende der Schlucht geht es weiter zum Zwischenstopp nach Carpentras, und während der Fahrt leuchtet die helle Spitze des Mont Ventoux zu uns herüber. Sich dort oben jetzt in der Hitze die Serpentinen hochzukurbeln, erscheint mir tatsächlich völlig unsinnig. Stattdessen wagen wir uns in die alten Gassen von Carpentras, wo uns Menschenmengen zwischen Strassenmarktständen stoppen und wir uns kurzerhand in ein kleines Café retten. Zu viel Trubel; recht schnell schlagen wir daher den Weg nach Orange ein.

Dort finden wir den recht leeren kleinen Camping am Stadtrand und retten uns vor der Hitze wieder in den Pool ! Abends geht es in die nette kleine Altstadt, das riesige römische Theater wird bewundert, und wieder findet sich eine schöne kleine Bar, und auch hier schmeckt das Bier wieder.

So, Tag 8 – auf der Via Rhona Richtung Norden

Wieder ein früher Start – es geht schnurstracks auf der Route National nach Norden. Unterwegs passieren wir bei einer Ortsdurchfahrt einen PKW, der mitten auf der Straße steht. Am Steuer ein junger Kerl im Tiefschlaf. Wir fahren vorbei, und ein Schweizer Autofahrer vor uns wendet, um sich die Sache näher anzuschauen. Ein paar Kilometer später fährt der zwischenzeitlich wieder aufgewachte Mann an uns vorbei. Wenige Kilometer später steht er wieder, diesmal ordentlich auf dem Randstreifen, der Fahrer bei offenem Fenster im Tiefschlaf. Auf Stephans laute Ansprache keine Reaktion. Wir wollen diese tickende Zeitbombe nicht hinter uns haben und fahren noch bis auf Höhe von Pierrelatte, wo wir den Einstig in die Via Rhona finden. Die in Genf startende Radroute ist einigermaßen gut ausgeschildert und führt uns abseits der Automassen über kleine Nebenstraßen, Feldwege, Radrouten zwar nicht auf direktem Wege, aber dafür unbehelligt durchs Rhonetal. Wir begegnen noch diversen Radtouristen, die auf dem Weg in den Süden sind. Valence passieren wir eigentlich unbemerkt, ich kann mich gar nicht an irgendetwas dort erinnern.

An diesem Tag erreichen wir am Nachmittag Tournon-sur-Rhône, finden noch ein Plätzchen auf dem Camping direkt am Rhone-Ufer und gehen abends in einem der vielen Restaurants an der Hauptstraße eine Pizza essen.

Der Ort wird bestimmt durch einen riesigen Platz, der mit einem wahren Wald aus riesigen Platanen überdacht ist. Darunter parken natürlich die Autos der abendlichen Restaurantbesucher.

Mo, Tag 9 – auf nach Lyon

Auf der Via Rhona geht es weiter nordwärts, teils kreuz und quer über die Dörfer und kleine Nebenwege. Wir durchqueren auf der ausgeschilderten Route ein kleines Vogelschutzgebiet, in dem uns ca. 10 kurz hintereinander folgende, massive hölzerne Drängelgitter nerven. Martins Versuche, sich mit dem Kettenblatt den Weg freizusägen, scheitern leider.

Unterwegs ist mal wieder eine heiße Thai-Nudelsuppe auf einer Parkbank fällig, damit der Hungerrast nicht zuschlägt. Ich habe oft den Eindruck, dass Radrouten immer fernab touristischer Infrastruktur geführt werden, auch Möglichkeiten zur Verpflegung liegen immer nur an den Autorouten. Im Laufe des Tages passieren wir Vienne und nähern uns Lyon. Kurz vor Erreichen der südlichen Stadtgrenze wird es nochmal etwas hügelig auf der westlichen Rhoneseite, dann fahren wir durch hässliche Industriegebiete entlang der Bahnstrecke durch den Hinterhof der Stadt. An einem leerstehenden Bürogebäude nutzen wir den Schatten des Vordaches für eine letzte Stärkung vor Erreichen der City. Danach verfransen wir uns kurz im Hafen und im Autogewirr, überqueren mit Glück eine chaotische Kreuzung und fahren dann auf einer wenig befahrenen Straße entlang der Rhone in die Stadt ein. Wir wechseln auf die Landzunge zwischen Saone und Rhone, fahren dann noch über die Rhone und fragen an der Uferpromenade mehrere Leute nach einem Campingplatz.

Die Auskünfte sind wenig erhellend, nur daß es immer an der Rhone entlang geht und noch gut 12-15 km sind, also weit außerhalb der Stadt. Egal, der Weg ist gut fahrbar, weitgehend Schotter, ohne Autos, und so kommen wir durch ein größeres Erholungsgebiet im Nordosten der Stadt bis an die große Rhoneaufweitung „Le Grand Large“ oberhalb von Meyzieu. Unterwegs sind noch das ein oder andere Treppenhindernis und Drängelgitter zu bewältigen.

Am späten Nachmittag erreichen wir endlich den Camping, der mit einem Rolltor gesichert ist. Es gibt gerade noch Platz für unsere drei Zelte, ansonsten scheinen nur Dauercamper und Montagearbeiter in den immobilen Mobilhomes zu wohnen. Aus unerfindlichen Gründen bekommen wir als Radfahrer keine Chipkarte für das Rolltor, und so entpuppt sich der gut gesicherte Platz als kleines Gefängnis, um uns zum Abendessen in das teure Restaurant vor Ort zu zwingen. Egal, wir sind zu müde zum Protestieren und das Essen schmeckt.

Di, Tag 10 – Sightseeing in Lyon

Am nächsten Morgen lassen wir die Räder ausschlafen und fahren mit Bus und Straßenbahn bis Gare Part-Dieu, der uns mit etlichen Bus- Straßenbahn-, Bahnlinien und einem wilden Menschengetümmel empfängt, dann geht es noch wenige U-Bahn-Stationen weiter. Das dauert etwa 1 Stunde. Der Camping liegt echt weit draußen. Mit einem Tagesticket können wir uns frei bewegen.

Bisher kannte ich, abgesehen von einem kurzen Stopp zu Studentenzeiten, Lyon nur durch die nervige Autobahnumfahrung Richtung Süden. Umso angenehmer bin von der Stadt selber überrascht. Schöne große Achsen, mäßiger Verkehr, alte Platanen und viele kleine Läden mit qirligem Straßenleben empfangen uns. Ein Café ist schnell gefunden, nun muss noch etwas zum Frühstück her. Ich kaufe ein belegtes Baguette, Martin und Stephan nehmen um die Ecke einen Döner zu sich – zum Frühstück! Die Fahrt am Vortag hatte wohl doch etwas Energie gekostet. Dann erkunden wir die diversen Stadtteile, überqueren mehrfach beide Flüsse, machen uns in der Touristeninformation auf der Place Bellecour kundig. Mit der Kabelbahn geht es den steilen Hang hoch zur Basilika Notre Dame de Fourviére, von deren Terrasse man einem fantastischen Blick über die Stadt hat. Durch den Park geht es runter ins historische Lyon, welches von Touristen wimmelt.

Besonders gut gefällt uns der abseits der Touristen-Hotspots gelegene, steil ansteigende Stadtteil Griffon-Royale, wo die eng bebauten Straßen treppenartig den Hang hinaufsteigen und viele kleine Kneipen, Grafitti und Galerien ein reges abendliches Szeneviertel vermuten lassen. Steile Treppen verbinden die übereinander liegenden Straßen und teilweise führen die Fußverbindungen durch die Hinterhöfe. Dort finden wir das schöne Pola-Café, eine Oase im Getriebe der Stadt. Wer will, kann sich eine Polaroid-Kamera leihen und die kleine Fotogalerie in der Bar vergrößern.

In der Boutique gegenüber finden wir auf einem kleinen Schild folgende Weisheit, die nicht nur für die Mode gilt: „Buy less, choose well, make it last“ (von Vivienne Westwood – immer schon ein Ikone der Modewelt; war mit Malcom McLaren (damals Manager der Sex Pistols) liiert und betrieb diverse radikale Boutiquen in London. Ist immer noch schwer aktiv in allem möglichen Kunstrichtungen, Theather, in vielen politischen Themen, unterstützt wikileaks usw. )

Mit müden Beinen treten wir am Nachmittag den Heimweg an, um gegen 17:00 Uhr Dieter am Bahnhof Part-Dieu in Empfang zu nehmen. Er hatte sich während der vorangegangenen Tage schon telefonisch angemeldet und will Stephan, der von Lyon aus mit dem Zug nach Hause fahren muss, ersetzen. Pünktlich erreichen wir alle den Bahnsteig und gegen Dieter eine kurze Einführung in die Stadt und die Lage des Campingplatzes. Dann merken wir, dass die Straßenbahn stadtauswärts eine technische Panne hat, also Busersatzverkehr, der ewig bei eine Affenhitze durch die Stadt schaukelt.

Beim Umsteigen gehen wir erstmal was auf Abend essen. Danach noch mal Bus, dann Straba, dann wieder Bis bis zum Camping. Die drei Dosen Bier, die wir für den Camping gekauft haben, ziehen wir schon vorher weg. Als wir endlich ankommen, sind wir total platt. Dieter weiß von all dem nichts, macht eine kurze Stadtrundfahrt und trifft dann nicht lange nach uns auf dem Camping ein.

Da wir insgesamt gut in der Zeit liegen und nun auch Dieter noch ein paar Tage fahren will, wird die Rückfahrt über Genf verworfen; Martin und ich haben auch keine Lust auf Zugfahren und Umsteigehektik.

Mi, Tag 11 – auf ins Ain-Tal

Wir verabschieden ins von Stephan, der noch einen Tag in Lyon bleibt, und verlassen früh den Campingplatz; zumindest Martin und ich, denn Dieter kämpft noch mit dem Quechua-Zelt, welches sich hartnäckig der Verpackung erwehrt. In der Zwischenzeit verschwindet auch noch sine Handy vom WC – Aufregung – die Putzfrau hat es gesichert. Dann können wir los, der Kaffee-Durst wächst.

Bei Jons überqueren wir die Rhone nach Norden und fahren dann nordöstlich über die Dörfer.

Unterwegs ziehen wir eine Kaffee und ein paar Gebäckstückchen. Noch am Vormittag machen wir Pause in Perouges, einem steinernen mittelalterlichen Vorzeigedörfchen auf einem kleinen Hügel.

Das obligatorische Kaltgetränk ist wieder fällig, denn es ist mal wieder heiß ! Zwischendurch werden wieder einzelne Rennradler und Mountainbiker versägt; einer bezichtigt uns des Einsatzes von E-Motoren und muss fluchend abreißen lassen, während Martin und ich in angeregter Unterhaltung an ihm vorbeiziehen!

Nach Perouges geht es über eine hügelige Landschaft bis Pont d´Ain, wo wir an der Eckkneipe drei Grand Panaché wegzischen, um dann frisch gestärkt die Einfahrt ins Ain-Tal zu beginnen. Das Tal zieht sich malerisch Richtung Norden; an mehreren Staustufen vorbei geht es stetig leicht bergauf, und die Sonne gibt nochmal alles. Das Tal ist nur spärlich besiedelt, Verkehr praktisch nicht vorhanden.

Im Schatten des Viaduc de Cize-Bolozon machen wir Rast auf dem Randmäuerchen der Straße und schlingen unsere restlichen Vorräte herunter. Die große Talbrücke mit ihren schlanken, gemauerten Pfeilern und Bögen ist beeindruckend: auf der oberen Etage fährt die Bahnlinie, und unter uns führt eine Autospur durch die Pfeiler hindurch.

Wenige Meter nach der Brücke finden wir noch eine kleine Kneipe, die in der Hitze brütet. Aber innen gibt es kühles Bier !

Flussaufwärts bei Thoirette wechseln wir auf die westliche Flußseite, passieren eine große Staustufe der EDF, die uns nochmals ordentlich bergauf zwingt, und folgen der Straße noch bis Condes am Ende des Stausees, wo wir einen herrlichen Camping Municipal direkt am Wasser finden. Und rein in den See ! Am Abend gehen wir noch am nördlichen Seeufer in ein schön gelegenes Restaurant mit tollem Blick über den See; im Dunklen geht es zurück zum Camping, nicht ohne noch ein paar Höhenmeter mitzunehmen.

Do, Tag 12 – nach Arc-et-Senans; Wasserschlacht No. 1

Am frühen Morgen brechen wir auf und machen auf der D60 im Morgendunst weitere Höhenmeter auf das südliche Jura. Bei Cernon befinden wir uns schon hoch über dem abermals aufgestauten Ain und fahren auf der D3 über Onoz weiter Richtung Norden. Croissants mit Kaffee Fehlanzeige.

Es geht über Wiesen und Wald oberhalb des nun veritabel gestauten Ain, der aber leider nicht zu sehen ist. An einem Bistro fahren wir vorbei und folgen der Route bis Orgelet, wo wir an der Place de Vin (!) endlich eine Bar finden und gleich gegenüber einen Bäcker. Martin und ich haben schon jeder zwei Teilchen und zwei Café au Lait hinter uns, als Dieter eintrifft, mit einem vollen Beutel voll Croissants aus dem besagten Bistro. Am nördlichen Ortsausgang können wir noch etwas Verpflegung einkaufen und fahren über etliche Dörfchen (Dompierre-sur-Mont, Nogna, Publy, Vevy, Crancot, La Marre, Plasne ) in stetem Auf und Ab Richtung Poligny. Hier gibt es nochmal ein Kaltgetränk im Schatten, bevor wir die letzten Jurahügel in Angriff nehmen. Hinter uns wird es nun deutlich dunkler am Himmel, und irgendwo mitten im Wald holt uns dann das Gewitter mit einem Wolkenbruch ein, der das Weiterfahren unmöglich macht. In wenigen Minuten sind wir komplett nass, und ich rette mich bei etwas nachlassendem Regen ins nächste Dorf unter ein Buswartehäuschen. Erstmal aus den nassen Sachen raus, und bei der Gelegenheit packe ich dann auch die Verpflegung aus. Martin und Dieter kommen pünktlich zum Essen hinterher und wir machen erstmal eine Vesper, bevor wir die Jurahöhen verlassen und ins Louetal runtersausen. Bei leichtem bis mittleren Regen erreichen wir den winzigen Camping Municipal in Arc-et-Senans. Die Saline Royal (Weltkulturerbe!) lassen wir links liegen, heute finde ich, dass der Wäschetrockner auf dem Camping eine wirklich tolle Erfindung der Menschheit ist.

Fr. , Tag 13 – zum Doubs und flussaufwärts; Wasserschlacht No. 2

Arc-et-Senans verlassen wir nach Norden durch den schönen Foret de Chaux und biegen bei Ranchot auf die schon bekannte Veloroute am Doubs ein. Nun geht es zügig voran, Dieter verschwindet schnell aus dem Rückspiegel. Einige Kilometer vor Besancon mache ich mit Martin noch einen Abstecher durch die Hügel südwestlich der Stadt, der uns letztlich zu einer kurzen Fahrt auf der mehrspurigen Einfallstraße zwingt und durch die halbe Stadt führt; so hatten wir uns das nicht vorgestellt. Hinter der Altstadt nördlich der Citadelle finden wir wieder auf die Radroute zurück und fahren bis Chalèze, um uns zum Mittagstisch niederzulassen. Ein schattiges Plätzchen auf der Terrasse über dem Fluss, eine Plat du Jour, was will man mehr; Dieter geleiten wir per Handy zu Tisch. Er war auf der normalen Route geblieben und war gerade an uns vorbeigefahren, als wir Platz nahmen. Frisch gestärkt geht es nun bei beginnendem Nieselregen weiter. Dann hört es wieder auf, und wir erklimmen nochmal die rechte Talseite bei Roche-les-Clerval. Dieter liegt hinten, Martin ist nach vorne weg, und wenige hundert Meter hinter dem Ort erwischt mich der nächste Wolkenbruch, und nirgends ein Unterstand. Die Radical-Taschen saugen einiges Wasser auf. Als es nachlässt, fahre ich die kurze Strecke bis Clerval, und am Abzweig zur Brücke wartet Martin unter einem Dachvorsprung. Die vorbeifahrenden Autos erzeugen schöne Wasserfontänen, und es wird ein wenig kalt. Kaffee ist nirgends in Sicht, aber im Tabac um die Ecke gibt es wenigstens ein Schweppes Agrume. Wir warten noch auf Dieter und fahren dann weiter bis zum Camping in L´Isle-sur-le-Doubs.

Dort kommt nochmal die Abendsonne raus und man kann ein paar Sachen weniger nass werden lassen. Abends geht’s auf in das Cuba Café, welches uns schon im letzten Jahr gute Dienste erwiesen hat. Auf dem kurzen Fußmarsch werden die Wolken schon wieder schwarz, der Wind frischt auf, und ich renne mit Flip-Flops durch den Regen die rettende Treppe zur Bar hinauf. Hinter den rauchenden Stammgästen drängen wir in die Bar und bestellen zwei dampfende Portionen Nudeln. Dieter folgt durch den Regen. Diese Bar ist ein kleines Universum für sich: alte Stammgäste, stiernackige Glatzköpfe, muskulöse Handwerker, Kinder, langhaarige Touristenpärchen, ein Hund (schaut durch die Glastür rein) mischen sich, und zur Krönung kommt ein Typ wie ein Boxtrainer rein und baut eine Karaoke-Anlage auf. Der Techniktest zieht sich, und eine aufgebrezelte Sängerin muss leider ihre bevorstehende Darbietung abbrechen. Irgendwie klappt es nicht, und wir müssen ins Bett. Morgen wartet noch eine lange Abschlussetappe auf uns.

Sa. , Tag 14 – bis nach Hause

Was soll ich sagen: es geht die allseits bekannte Strecke über Montbeliard und den Rhein-Rhone-kanal Richtung Mulhouse, nicht ohne die obligatorische Pause am Hafenkiosk in Dannemarie.

Die Routenführung in Mulhouse ist auch endlich fertig, ohne Stop geht es auf dem Uferweg am Bahnhof vorbei und weiter am Kanal bis zur Brücke Richtung Ottmarsheim. Links des Rheins geht es durch die Dörfer bis zum Café in Neuf-Brisach. Langsam werden die Beine schwer. Auf der anderen Uferseite in Breisach gönnen wir uns noch ein letztes Mittagsmahl beim Türken, dann verabschieden wir Martin Richtung Norden. Er hat nun noch einige Kilometer vor sich. Kurz hinter Breisach springt mein Tacho über die 1.300 km-Marke – ein gutes Gefühl ! In ruhigem Tempo fahre ich mit Dieter bis nach Munzingen, wo sich auch unsere Wege trennen. Über Mengen und Schallstadt kurbele ich nach Hause, und erschöpft aber glücklich laufe ich daheim ein. Heiße Dusche, das klatschnasse Zelt im Garten ausgebreitet, die Klamotten in die Waschmaschine, und abends ins Bett sinken.

Am Sonntag ziehe ich das Resumee:

Handy-Akku kaputt gegangen, daher leider nur wenige Fotos gemacht. Dafür hat Martin umso mehr.

2 mal Zeltstange gebrochen und notgeflickt, drei weitere Elemente sind angerissen – mein Zelt kommt in die Jahre. Muss doch mal ein neueres, kleineres Zelt her ?

Die Radical-Taschen sind sowas von undicht, hier müssen ggf. die wasserdichten Innentaschen nachgekauft werden.

Der neue Schlafsack und Inlay waren super.

Die erste Tourplanung, ursprünglich auf etwas über 1.000 km geplant, konnte mit unseren langen Tagesetappen locker überboten werden; im Schnitt sind wir 120 km am Tag gefahren. Angenehm fand ich auch, dass wir auf der Rückfahrt auf den Zug verzichten konnten.

Ich hatte das langsamste Rad und auch den unbequemsten Sitz; nach 30 km spätestens wusste ich oft nicht mehr, wie ich hin- und her rutschen sollte. Allerdings bin ich nicht oft hinterhergefahren, am Berg war ich gut dabei und insgesamt war es ausgeglichen.

Stephan war auf der schnellen Speedmachine oft etwas unterfordert.

Dieter als Quereinsteiger konnte mit unseren eingefahren Beinen anfangs nicht mithalten, kam dann aber zusehends besser in Fahrt.

Und die Doubsstrecke bin ich jetzt schon so oft gefahren, aber sie gefällt mir immer noch.

Das war meine erste wirklich lange Radtour, und insgesamt war ich echt begeistert über die schöne Landschaft und die ganzen Eindrücke, die man nur beim Radreisen unterwegs sammeln kann.

Die nächste Tour kommt bestimmt !

Claus

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